Kein Sack Salz im Schiff

Dem einen wurde kein langes Bleiben prognostiziert, die andere hatte nach dem ersten Vormittag genug. Jetzt liegen Regina Feurstein und Ignaz Pieler seit über dreißig Jahren bei uns im Schiff vor Anker. Wobei natürlich liegen ganz und gar nicht das richtige Wort ist. Unermüdliches Schaffen und Wirken zeichnet die beiden aus.

 

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Eine Tafel Schokolade als Köder
Regina Feurstein erinnert sich genau an den 10. Mai 1981, Muttertag war’s. Eine Tafel Schokolade wurde ihr in Aussicht gestellt, wenn sie sich für die Ferialstelle im Hittisauer Schiff bewirbt. Zimmermädchen wäre sie gerne geworden. Zur allergrößten Not hat sie ein einmonatiges Küchenpraktikum akzeptiert, denn kochen wollte sie nie.

Nach dem ersten halben Tag war es auch schon genug. Nur die geballte väterliche Autorität hat sie ins Schiff zurückgebracht. Nicht einmal das willkürliche Zuspätkommen hat etwas genützt. Man wollte Regina nicht mehr gehen lassen. Daran hat sich in den vergangenen 33 Jahren nichts geändert! Vom Zigeunerschnitzel und Zack-Zack zur Gourmetküche: „Da wächst man hinein!“, resümiert Regina: Die wahre Kunst aber ist unsichtbar. Sie lebt in solchen Menschen! Von der Küche im alten Schiff, in der die Temperaturen sommers auf über 50 Grad kletterten, bis zu den jüngsten, so coolen wie bodenständigen Umbauten hat sie alles miterlebt und mitgetragen. Besonders ans Herz gewachsen ist ihr der Frühstücksdienst: die Begegnung mit den Menschen. Selbst nach vieljähriger Abwesenheit vom Schiff, in der im Haus fast kein Stein und kein Balken auf dem andern geblieben ist, erleben die Gäste ihren Urlaub wie ein Nachhausekommen. Die „alten“ Gesichter halten jung! Dafür sorgt nicht zuletzt „Gina“. Kein anderes Haus als das Schiff kommt für sie in Frage. Seniorchefin Erna ist das starke Tau, mit dem sie an das Haus gebunden ist.

Ich bin mein eigener Chef
Seit Dezember 1982, über dreißig Jahre in ein und demselben Betrieb: Da erübrigen sich so manche Fragen, das merke ich im Gespräch mit Ignaz nach wenigen Minuten. Eine solche Karriere ist selbsterklärend. Dass es der Zufall war, der ihn hierher geführt hat, spielt schon lange keine Rolle mehr. Was denn offiziell seine Funktion sei: Maître d’hôtel? Restaurant-Chef? Ignaz schaut mich groß an: „Ich bin der Ignaz!“ Und: „Ich war immer schon der Kellner.“ Eine Institution ist der Ignaz. Dabei war aller Anfang schwer, als der blutjunge Burgenländer-Bub in den Bregenzerwald gekommen ist.

Was sollte er anfangen mit Bestellungen wie „Bringsch m’r vordrhaund a Vürtel!“? Vielleicht ist er deshalb dazu übergegangen, den Gästen ihre Wünsche von den Augen abzulesen? Sie mitsamt ihren Vorlieben und Marotten auswendig zu lernen im Laufe ihrer über Jahrzehnte währenden Treue zum Schiff?

Wer erlebt, wie Ignaz in den Stuben des Schiffs mit unerschütterlicher Ruhe seines Amtes waltet, wundert sich nicht, dass seine Arbeit ästimiert wird, wie er mit größter Selbstverständlichkeit erzählt. Eine Alternative zum Schiff gibt es nicht für Ignaz. Er gehört zum Haus, zur Familie, hat Höhen und Tiefen, Freud und Leid geteilt, den Weg von der Bauernwirtschaft zum noblen VierSterne-Haus begleitet. Eine Symbiose wie die zwischen Ignaz und dem Schiff dürfte wohl kaum ein zweites Mal zu finden sein; von äußerster Seltenheit ist eine dermaßen von jeder Pose freie Herzlichkeit, verbunden mit höchster Kompetenz. Es ist gut, in einem Betrieb zu arbeiten, in dem man „mit gutem Gewissen ein Essen vor den Gast stellen kann“: So genial unprätentiös formuliert Ignaz sein Credo. „Die Chemie stimmt“, erklärt er kurz und bündig, wie ihm Hittisau und das Schiff zur zweiten Heimat geworden sind.

Es stimmt mehr als nur die  Chemie: Es stimmt alles.
Wirklich: Ignaz ist DER Kellner!

Dr. Peter Natter


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